
Bürgerinitiative „GESUNDES TROTHA“ e.V.
An die MZ Lokalredaktion
zum Artikel „Pläne für Freibad und Campingplatz" vom 30.10.2002
Tendenz „WEGWERFEN“ ?
Interessant war es für mich, heute zu lesen, dass die Stadt Halle beabsichtigt in ein neues Freibad mit Campingplatz zu investieren, obwohl gerade die letzten traditionellen Freibäder auf der „Wegwerfliste“ der Stadt Halle stehen. Man sucht nach Fördertöpfen. Was für ein Schelm, der glaubt, dass dafür nicht auch städtische Finanzen erforderlich sind.
Viele Hallenser, nicht nur die Trothaer, lieben ihr Nordbad, weil es etwas ganz besonderes ist, inmitten gewachsener Naherholungserlebnisbereiche. Zudem hat dieses Bad noch einen 10 m hohen Sprungturm mit einem entsprechend tiefen Becken; also das einzige seiner Art.
Dank einer Mitteilung der MZ zu Badesaisonende, konnte die Bürgerinitiative „GESUNDES TROTHA e.V. bereits am 08.09.2002 die ersten Unterschriften sammeln. Seit dem 15.10.2002 liegen die ersten 600 Unterschriften auf dem Tisch der Oberbürgermeisterin. Bislang noch ohne Reaktion.
Es ist unglaublich, mit ansehen zu müssen, wie klammheimlich Pläne geschmiedet werden, um die vorhandenen Potenziale nicht aufzuwerten zu müssen, sondern einfach wegzuwerfen. Jahrelang diskutiert man bereits über den einzigen städtischen Campingplatz, der sich an der Rückseite des Nordbades befindet, aber nicht etwa um ihn zu erhalten - oh nein. Denn dazu brauchte man ja Ideen und Engagement. So etwas ist nicht nur rein rechnerisch zu lösen.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Der Hufeisensee ist ein schönes Gebiet und eignet
sich hervorragend für Sport und Erholung. Zukunftsvisionen sind notwendig. Wir leben aber jetzt und jetzt ist die Sanierung des Bades zu realisieren.
Das Rahmenkonzept Trotha West hat Zukunftsaussagen getroffen.
Betrachten wir den unvollendeten Hafen, an dem engagierte Menschen
seit 1990 für Gewerbeansiedlung streben. Sehen wir den Trothaer Kaffeegarten, den die Stadtverwaltung selbst noch bis zum Jahr 2000 bewirtschaftete und in einem beklagenswerten Zustand hinterließ, ohne rechtzeitig auch nur einen einzigen Versuch zur Vermarktung zu unternehmen, obwohl seit 1990 die Bürgerinitiative „GESUNDES TROTHA“ Vorleistungen für eine Ausschreibung erbrachte.
Nun soll auch noch das Nordbad ausrangiert werden? Welches Zukunftskonzept hat die Stadt eigentlich für ihren nördlichen Stadteingang.
Das nachlässige Stadtmarketing, das unsensible Wahrnehmen der Stadtrandgebiete mit ihren unverwechselbaren Geschichten, Ideenlosigkeit bei der Gestaltung von Zukunftskonzepten und die mangelnde Öffentlichkeit bei der Suche nach Lösungen, das sind unter anderem Gründe, warum sich viele Menschen in dieser Stadt nicht wohlfühlen und abwandern.
Ein Haushalt der sparen muss, der kann trotzdem ordentlich aufgeräumt und liebenswert sein.
Das gilt übrigens nicht nur für das Wohnzimmer zu Hause, sondern viel mehr für eine Stadt.
Wir sind gewiss nicht unbescheiden, doch ein Wahrzeichen von Trotha wegzunehmen, das lassen wir uns nicht kampflos gefallen.
Karin Grundmann